Geschichte

Sonnwend-Verehrung

Seit jeher nimmt die Sonne im Denken der Menschen eine spezielle Stellung ein. Sie wird als Erzeugerin des Lichtes, des Lebens, als Fruchtbarkeitssymbol und als Teilerin der Zeit usw. betrachtet und verehrt. Fast überall war diese Verehrung der Sonne mit dem Feuer verbunden; daher stammt auch der ursprünglich heidnische Brauch der Fasnachtsfeuer (Frühlingsfeuer).

In Oensingen wird alle drei Jahre noch zur «richtigen» Zeit die Sonnwendfeier mit Höhenfeuern und dem grossen Feuerwerk begangen. Die Familien des Oberdorfes feuern im Ravellengebiet westlich des Schlosses Neu-Bechburg, die Familien des Unterdorfes östlich im tiefer gelegenen Vogelherd. Dieser alte Brauch der Sonnenverehrung wird in Oensingen weiter gepflegt.

Bild Impressionen
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Ganze Geschichte:
Naturereignis und heidnischer Brauch

Die Sonnwendfeier sollte mehr sein, als nur ein Feuerwerk – Dies zumindest in früherer Zeit.

Alle drei Jahre wird Oensingen zum Mekka der Feuerwerk-Fans der Schweiz, dem nahen und auch weiteren Ausland. Dieses Spektakel trägt den Namen Sonnwendfeier Oensingen. Was genau hat es damit auf sich? Welche Rolle spielt dabei heidnisches Brauchtum? Und was passiert eigentlich, wenn sich die «Sonne wendet»?

Die Sonnenwende ist naturgegeben und findet alljährlich zweimal statt – ganz ohne menschliches Zutun. Dies einmal im Juni und einmal im Dezember. Zweiteres ist die Wintersonnenwende, ersteres die Sommersonnenwende. Die Feierlichkeiten rund um dieses Naturereignis sind vielseitig und variieren je nach Land und Region. Die Organisatoren der Oensinger Sonnwendfeier haben sich der Sommersonnwende verschrieben. Diese feiern sie jedoch nicht jährlich, sondern nur alle drei Jahre. Dies und dass der Tag des grossen Feuerwerks nicht am Tag der naturgegebenen Sonnenenwende, nämlich am 21. Juni stattfindet, habe organisatorische Gründe.

Heidnischer Brauch und was die Christen daraus machten

Das Spektakel hat noch einen anderen, einen mystischen Hintergrund. Die Organisatoren berufen sich auf den heidnischen Brauch der Frühlingsfeuer. Diese wurden entfacht, um den Winter auszutreiben und die Sonne – welche als Mittelpunkt des Lebens galt – zu begrüssen. Ausserdem sollten Fruchtbarkeit, Ernte und Wachstum durch dieses Ritual gesichert werden. Dass dies zur Zeit der Sommersonnenwende geschah, erscheint logisch.

Diese Frühlingsfeuer wurden im 8./9. Jahrhundert vom christlichen Glauben übernommen. Oder wie auch vernommen werden kann: Diese Tradition konnte den christianisierten «Heiden» nicht abgewöhnt werden und so wurde der Brauch, der christlichen Religion angepasst, übernommen. Das Resultat waren und sind die Osterfeuer. Als Symbol des Lebens steht das Licht bei den Christen für den auferstandenen Jesus und damit für das ewige Leben. Das Feuer wird am Samstag vor Ostern, am Beginn der Liturgie in der Osternacht vor der Kirche entzündet und geweiht. Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet. Die Osterkerze symbolisiert ihrerseits den über Tod und Sterben siegenden, auferstandenen Jesus Christus.

So wird also am Samstag nebst lautem Knallen und vielen Farben auch etwas Mystisches in der Luft liegen. Sei es nun heidnischen Ursprungs oder aber christlich gedeutet.

Bild Feuerwerk

Die Sonnenwende

Das Wort Sonnenwende kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «Stillstand der Sonne». Dies ist der Zeitpunkt, in welchem die Sonne (im Laufe eines Sonnenjahres) die grösste nördliche oder südliche Deklination erreicht. Zu diesem Zeitpunkt hat die Sonne den grössten Winkelabstand zum Himmelsäquator und dreht ihre Deklinationsbewegung wieder in Richtung Himmelsäquator um. Die Sonnenwenden markieren den Beginn des astronomischen Sommers bzw. Winters. Die Sonne steht dann senkrecht über den Wendekreisen der Erde, am 21. Juni über dem nördlichen. Dies bedeutet Sommersonnwende auf der Nordhalbkugel und Wintersonnenwende auf der Südhalbkugel.

Am 21. oder 22. Dezember steht sie über dem südlichen Wendekreis, was Wintersonnenwende für die Nord- und Sommersonnwende für die Südhalbkugel bedeutet. Zur Wintersonnenwende hat die Sonne ihren tiefsten Stand, will heissen es herrscht der kürzeste Tag und damit die längste Nacht. Zur Sommersonnenwende erreicht sie den höchsten Stand. In der mitteleuropäischen Zeitzone (MESZ) fällt die Sommersonnenwende heuer auf den 21. Juni um 16:57 Uhr. (nab)

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